Salzmühlen

In unserem Lieblingsrestaurant ist die Salzmühle neben der Pfeffermühle ein gewohntes und geliebtes Accessoire. Sie überlegen, ob Sie sich auch so ein edles Teil zulegen. Noch sind Sie unschlüssig. Gute Salzmühlen haben einen stolzen Preis. Sollten Sie sich also so ein Luxusgerät kaufen? Hier finden Sie ein paar Argumente für Ihren Entscheidungsprozess.

Tischtechnik für Kenner

Die meisten Salz- und Pfeffermühlen machen auf dem liebevoll gedeckten Tisch eine gute Figur. Nicht nur die Farbe und Oberfläche, sondern auch die Formgebung ist wichtig; das Gerät sollte gut in der Hand liegen und den Mahlprozess zu einem Vergnügen machen. Das satte „Krrrk-Krrk“ -Geräusch beim Drehen des Mahlwerkes ist verführerische Musik in den Ohren eines Gourmets, die schon mal Appetit aufs Essen macht. Schnell entwickelt sich haptisch-akustisch-sinnliches Ritual für das schnelle Nachwürzen bei Tisch. Eine Mühle, mit der man intuitiv einfach und stufenlos das Mahlwerk verstellen kann, erzeugt spielerisch Salz in verschiedenen Körnungen. So erhalten Sie sowohl Salz in feinster Körnung für das weiche Frühstücksei als auch grobes knuspriges Glitzersalz für die selbstgebackenen Salzstangen. Salzmühlen verschaffen ein Gefühl von eleganter, selbstverständlich lässiger Selbstwirksamkeit. „Krrk-Krrk“, schon haben wir in Sekundenbruchteile ein glitzerndes Häuflein Salzkristalle auf der dampfenden Pellkartoffel erzeugt. Herrlich. Es lässt sich nicht leugnen: Salzmühlen machen einfach Spaß.

Doch es geht ja nicht nur um Spaß, sondern auch im Sinn.

NaCL

Der Geschmack von normalem gemahlenem Salz unterscheidet sich nicht im Geringsten vom Aroma des nicht gemahlenen Salzes. Natriumchlorid bleibt Natriumchlorid, es enthält keine flüchtigen Aromastoffe, die sich durch den Mahlprozess entwickeln könnten.  Bei Meersalz könnte das etwas anders sein, da dieses Salz nicht nur Restfeuchtigkeit, sondern auch einen leichten Geschmack von Meeresalgen mitbringt, der eventuell durch das Mahlen verstärkt werden könnte. Übrigens: Meersalz sollte nur von Profi-Salzmühlen gemahlen werden, die über ein robustes Keramikmahlwerk verfügen, da es bei Metall-Mahlwerken zu Korrosion durch Salz und Feuchtigkeit kommen kann.

Kleiner Exkurs: Salz ist nicht gleich Salz

In jedem großen Supermarkt finden wir unterschiedliche Salzsorten: Jodsalz, Meersalz, reines Steinsalz, Himalayasalz und Kräutersalz. Sie unterscheiden sich in der Herkunft und den Zusätzen. Steinsalz wird im Bergbau abgebaut, Meersalz durch Verdunsten von Seewasser gewonnen. Der Zusatz Jod ist gut für die Gesundheit, Kräuter liefern mehr Geschmack. Rieselhilfen verhindern, dass der Salzstreuer verstopft. 
Sicher haben Sie schon einmal überlegt, das teure, hübsch verpackte Himalayasalz zu kaufen. Lohnt es sich?

Himalaya-Steinsalz besteht aus ca. 98 Prozent aus „normalem“ Natriumchlorid und enthält im Gegensatz zum herkömmlichen Speisesalz Spuren weiterer Mineralstoffe. Die schöne rosa Farbe kommt durch das aufgelagerte Eisenoxid.
Eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung ist bisher weder bewiesen noch physiologisch nachvollziehbar, sie darf auch nicht beworben werden.

Unraffiniertes Meersalz sieht dagegen stumpf grau aus und klumpt durch die Restfeuchte etwas. Doch es bringt den leichten Geschmack des Meeres mit sich und kann Urlaubserinnerungen erzeugen. Leider ist es gesundheitlich nicht so ganz unbedenklich, da unsere Ozeane nicht mehr „sauber“ sind. Mikroplastik könnte in winzigen Mengen diesem Salz anhaften; Untersuchungen der Stiftung Warentest deuten darauf hin.

Jodsalz ist dagegen relativ „gesund“. Die Versorgung der Bevölkerung mit Jod scheint in den letzten Jahren zurückgegangen zu sein. Da Jod für die Funktion der Schilddrüse wichtig ist, sollten wir aus gesundheitlichen Gründen auf Jodsalz zurückgreifen. Besonders wichtig ist das für vegan lebende Menschen, die nie (jodhaltige) Meeresbewohner essen.

Kochen mit Salzmühlen?

Kann man während des Kochens Salzmühlen verwenden? Nein, das sollte man nicht tun. Die aufsteigende Feuchtigkeit des heißen Wasserdampfes würde das Salz in der Mühle verklumpen lassen. Auch wenn manche Fernsehköche während der Show Salzmühlen verwenden, Sie sollten das nicht imitieren. Im professionellen Küchenbetrieb greift der Koch während des Kochens in Gefäße, in denen sich Speisesalz in (meist) drei unterschiedlichen Körnungen befindet und wirft davon die vorgegebene Menge ins Kochwasser.

Kräutersalz aus der Mühle

Ein Vorteil von (einigen) Salzmühlen kann sein, dass man damit selber Kräutersalz herstellen kann. Man gibt dazu neben dem groben Salz aromatische Würzmittel hinzu: Kardamom, Kreuzkümmel, Thymian, Koriander. Wichtig ist, dass diese Aromaträger hart, komplett trocken und ähnlich groß wie die eingefüllten Salzkörner sind, sonst wird die Salzmühle schnell verstopft. Nicht alle Modelle eignen sich auch als Kräutermühle, bitte vorher die Gebrauchsanweisung lesen!
Könnte man auch Bärlauch oder Knoblauch verwenden? Nein, da diese Kräuter zu viel Wasser enthalten. Zudem sind ihre Aromastoffe so flüchtig, dass man am Kräutersalz nicht lange Freude haben kann. Es gibt zwar Bärlauchsalz zu kaufen, aber mal ehrlich, schmeckt es nicht doch eher muffig als frisch-knoblauchig?

Reinigung

Sollten Sie in Ihrer Salzmühle Kräutersalz zubereitet haben, möchten Sie das Gerät danach reinigen. In die Spülmaschine waschen ist natürlich ein No-Go, dabei würde das gute Teil zerstört werden. Es geht auch ganz einfach: Zur Reinigung füllen Sie einfach Reis in die Mühle und malen ihn in allen Stufen. Die Reiskörner nehmen sowohl Feuchtigkeit als auch Schmutzstoffe an und wirken so als natürliches kostengünstiges Reinigungsmittel.

Billig geht auch?

Vielleicht kommt Ihnen auch der Gedanke, ob man nicht auch ein billiges Einwegprodukt kaufen könnte. Davon ist abzuraten. Diese Utensilien haben ein Plastik-Mahlwerk, das nach einiger Zeit an Schärfe verliert und dann nicht mehr so gut malen kann. Zudem besteht die Gefahr, dass auch Microplastikteilchen durch den Abrieb beim Mahlvorgang mit ins Salz gelangen.

Pfeffermühlen

Anders als bei Salzmühlen ist bei Pfeffermühlen der Sinn sofort schmeck- und riechbar. Frisch gemahlener Pfeffer duftet, anders als fertig gemahlener Pfeffer, immer gut und verleiht jedem Gericht die gewünschte feine Schärfe. Könnte man eine Pfeffermühle zweckentfremden und damit Salz mahlen? Diese Idee kann mit manchen Modellen ausprobiert werden, mit anderen nicht. Prinzipiell ist davon abzuraten. Es gibt Mahlwerke, die auf Pfeffer spezialisiert sind und solche, die für Salzkörner konstruiert wurden. Wenn man Pech hat, stumpft das Mahlwerk ab oder verstopft durch die härteren Salzkristalle.

Die Entscheidung

Salzmühle oder nicht-Salzmühle ist letztendlich eine Frage des Charakters, des Geldbeutels und der Küchengröße. Pragmatische Menschen mit wenig Platz, wenig Geld oder wenig Sinn für Tischrituale sollten sich keine Salzmühle kaufen, sondern ihr Geld lieber für „Sinnvolleres“ ausgeben. Für alle andern gilt: Why not? Man lebt nur einmal, und ein Leben ohne Salzmühle kann ebenso sinnlos sein wie „ein Leben ohne Mops“, wie Loriot vielleicht sagen würde :)

Autorin: Alexa Sabarth